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USA gedenken des 20. Jahrestags der Terroranschläge von 9/11

Gedenken an den Tag des Schreckens: Die USA haben am 20. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 an die fast 3000 Todesopfer erinnert. US-Präsident Joe Biden nahm am Samstag an einer Trauerfeier am früheren Standort des World Trade Centers

Gedenken an den Tag des Schreckens: Die USA haben am 20. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 an die fast 3000 Todesopfer erinnert. US-Präsident Joe Biden nahm am Samstag an einer Trauerfeier am früheren Standort des World Trade Centers in New York teil. In einer Videobotschaft rief er das politisch zerstrittene Land zur Einheit auf - wurde aber erneut von Vorgänger Donald Trump für den chaotischen Afghanistan-Abzug kritisiert.

Bei der Zeremonie in New York wurden während der Verlesung der Namen aller Anschlagsopfer sechs Schweigeminuten abgehalten. Damit wurde an die Momente erinnert, in denen Mitglieder des Terrornetzwerks Al-Kaida vor 20 Jahren zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme gesteuert hatten, außerdem an den Einsturz der beiden Gebäude, den Einschlag eines weiteren entführten Flugzeugs im US-Verteidigungsministerium und den Absturz einer vierten entführten Maschine in Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania.

Die erste Schweigeminute wurde um 8.46 Uhr Ortszeit (14.46 Uhr MESZ) von einer Glocke eingeläutet. Zu diesem Zeitpunkt war die erste Maschine in den Nordturm der Twin Towers eingeschlagen. Die Terroristen hatten am 11. September 2001 vier Flugzeuge gekapert. Nachdem sie American-Airlines-Flug 11 in den Nordturm des World Trade Centers steuerten, flog kurze Zeit später ein weiteres Flugzeug in den Südturm. American-Airlines-Flug 77 lenkten die Angreifer in das Verteidigungsministerium in Washington. Eine vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab, nachdem die Menschen an Bord Widerstand gegen die Entführer leisteten.

Der Drahtzieher der Anschläge, Osama bin Laden, wurde 2011 nach langer Suche bei einer US-Militäroperation getötet. Auch am Pentagon und der Absturzstelle in Shanksville fanden am Samstag Trauerveranstaltungen statt. In Pennsylvania nahm auch George W. Bush teil, der am 11. September US-Präsident war.

Zur Trauerfeier an der heutigen Gedenkstätte in New York kamen neben Präsident Biden und First Lady Jill Biden auch zahlreiche Angehörige von Opfern sowie Überlebende. Auch die ehemaligen Präsidenten Barack Obama und Bill Clinton waren mit ihren Ehefrauen anwesend. Nach der Schweigeminute verlasen Angehörige die Namen der fast 3.000 Getöteten teilweise unter Tränen.

Umrahmt wurde die Trauerfeier an der New Yorker 9/11-Gedenkstätte von viel Musik. Unter anderem trat Rockstar Bruce Springsteen auf und sang sein Lied "I'll See You In My Dreams". Gedenkveranstaltungen gab es auch im Pentagon vor den Toren Washingtons und an der Absturzstelle in Pennsylvania. Biden wollte im weiteren Verlauf des Tages alle Anschlagsorte besuchen. Bei den schwersten Anschlägen der US-Geschichte waren 2977 Menschen getötet worden: 2753 in New York, 184 am Pentagon und 40 in Pennsylvania.

Die nationale Einheit sei die größte Stärke der Vereinigten Staaten, hatte Biden anlässlich des Gedenkens bereits im Vorfeld per Videobotschaft gesagt. In den Tagen nach den Anschlägen sei heldenhaftes Handeln, Widerstandskraft und "ein wahres Gefühl der nationalen Einheit" demonstriert worden. Ex-Präsident Obama sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und gedachte den damaligen Einsatzkräften und dem US-Militär. Der Mut des Militärs in den vergangenen 20 Jahren habe auch geholfen, Bin Laden zur Strecke zu bringen. Obama war Präsident, als eine Spezialeinheit des Militärs den damaligen Al-Kaida-Chef in Pakistan tötete.

Vizepräsidentin Kamala Harris sagte in einer Rede an der Gedenkstätte in Shanksville, die Zeit nach den Terroranschlägen habe gezeigt, "dass Einheit in Amerika möglich ist". Ex-Präsident George W. Bush, der nach den Anschlägen einen "Krieg gegen den Terrorismus" ausgerufen hatte, beklagte allerdings die politische Spaltung des Landes. Nach 9/11 habe er ein "unglaubliches, widerstandsfähiges, vereintes" Land angeführt, sagte der Republikaner in Shanksville. "Diese Zeiten scheinen sehr weit weg von der heutigen Zeit."

Deutlich wurde die Spaltung des Landes auch durch eine Videobotschaft von Bidens Vorgänger Trump. In einer am Samstag veröffentlichten Videobotschaft warf Trump dem Demokraten "Inkompetenz" beim Afghanistan-Abzug vor und sagte, der Präsident habe wie ein "Dummkopf" gewirkt. Anders als die Ex-Präsidenten Obama, Clinton und Bush sollte Trump am Samstag an keiner offiziellen Gedenkzeremonie teilnehmen. Er wollte dafür am Abend einen Boxkampf kommentieren.

Nach den Schockwellen, die der 11. September in die Welt aussendete, wurde zum ersten und bisher einzigen Mal in der Bündnisgeschichte der NATO der Artikel 5 aktiviert, nach dem ein bewaffneter Angriff auf ein NATO-Mitglied als Angriff gegen alle Mitglieder gewertet wird. Dies führte dazu, dass die NATO-Staaten sich am Krieg gegen die Taliban und die Terrororganisation Al-Kaida in Afghanistan beteiligten. Dieser Einsatz ging vor wenigen Tagen nach einem chaotischen und als überstürzt kritisierten Abzug der Truppen zu Ende - die Taliban eroberten das Land innerhalb von kurzer Zeit zurück und sind erneut die faktischen Herrscher Afghanistans.

Kein Ereignis in der jüngeren Geschichte hat die USA und seine Gesellschaft mehr geprägt als jener verhängnisvolle Dienstag vor 20 Jahren, als das Terrornetzwerk Al-Kaida und sein damaliger Chef Bin Laden noch vergleichsweise unbekannt waren. Nach dem 11. September wurde die Terrorabwehr grundlegend ausgebaut, der staatliche Apparat massiv umgeformt. In der Folge veränderten sich die USA deutlich, viele beschrieben die Zeiten der noch immer anhaltenden Terrorangst als wachsende Paranoia zulasten früherer Leichtigkeit.

Bürgerrechte wurden durch den "Patriot Act" zum Teil empfindlich beschnitten, das hochumstrittene Gefangenenlager in Guantanamo auf Kuba eingerichtet und neue Behörden und Einheiten gegründet. Im Land sind manche Veränderungen gut sichtbar, etwa die Kontrollen an den Flughäfen oder die Polizeipräsenz auf den Straßen. Vieles aber geschieht im Verborgenen, wie die ausgeweitete Überwachung und die intensive Kontrolle von Daten.

Die USA zogen nach den Anschlägen in den "Krieg gegen den Terror". Zwei Jahrzehnte nach den Anschlägen gibt es unterdessen Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die sich an 9/11 nicht erinnern können oder noch nicht geboren waren. Sie erfuhren entweder in der Schule oder durch die Erzählungen von Familienmitgliedern oder Bekannten von den Anschlägen.

An dem Ort, an dem die Türme des World Trade Center standen, plätschern heute Wasserfälle im Gedenken an die Opfer des 11. September - das Viertel drumherum ist wieder aufgebaut worden und ein neues Hochhaus, das "One World Trade Center", thront als höchstes Gebäude New Yorks über der Stadt. Aber die Erinnerung bleibt wach in New York - auch weil nach wie vor immer noch Menschen, die damals vor Ort waren, vor allem Rettungskräfte, an Folgeerkrankungen durch Schadstoffe in der Luft sterben.

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