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Nach US-Arbeitsmarktdaten: Zinsängste werden konkreter

Besser als erwartet ausgefallene Daten vom US-Arbeitsmarkt haben den DAX heute gedrückt. Denn mit dem starken Arbeitsmarkt werden weitere Zinserhöhungen in den USA wahrscheinlicher.

Marktbericht

Stand: 05.08.2022 18:05 Uhr

Besser als erwartet ausgefallene Daten vom US-Arbeitsmarkt haben den DAX heute gedrückt. Denn mit dem starken Arbeitsmarkt werden weitere Zinserhöhungen in den USA wahrscheinlicher.

Mit nachgebenden Kursen hat der deutsche Aktienmarkt heute auf den konjunkturellen Höhepunkt der Woche reagiert. Der Bericht zur Lage am US-Arbeitsmarkt um Juli drückte auf die Stimmung. Denn die Furcht vor drastischen Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed und deren wirtschaftlichen Folgen stieg mit den neuen Zahlen.

Der DAX schloss am Ende bei 13.580 Punkten, ein Tagesverlust von 0,6 Prozent, zudem nahe am Tagestief bei 13.562 Punkten. Das Tageshoch lag bei 13.693 Zählern. Der MDAX der mittelgroßen Werte verlor stärker 1,38 Prozent auf 27.772 Zähler.

Auch an der Wall Street geht es im Mittagsgeschäft mit den Kursen bergab. Der Leitindex Dow Jones gibt dabei ein halbes Prozent nach, die besonders zinssensitive Technologiebörse Nasdaq verliert stärker rund 1,5 Prozent.

US-Arbeitsmarkt boomt

Die Märkte reagieren auf den deutlich besser als erwartet ausgefallen US-Jobbericht, traditionell einer der wichtigsten Konjunkturdaten, der insbesondere bei der Notenbank Federal Reserve (Fed) als wichtige Entscheidungsgrundlage für die Zinspolitik gilt. Denn die Notenbank ist entschlossen, die hohe Inflation zu bekämpfen, darf dabei aber gleichzeitig die Konjunktur nicht abwürgen - ein schwieriger Spagat. In diesem Umfeld müssen die Märkte zukünftig ihren Kurs finden, das wurde heute ganz klar.

Konkret hat die US-Wirtschaft im Juli deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Außerhalb der Landwirtschaft seien 528.000 Stellen hinzugekommen, teilte das Arbeitsministerium am Nachmittag in Washington mit. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 250.000 neuen Stellen gerechnet. Von Konjunkturkrise also zumindest unmittelbar keine Spur, obwohl die USA zuletzt in eine technische Rezession gerutscht waren.

In der Corona-Krise war der Arbeitsmarkt zeitweise dramatisch eingebrochen. Mittlerweile hat er sich deutlich erholt und die Unternehmen klagen über Arbeitskräftemangel. Auch die Löhne zogen deutlich an, was als Inflationsindikator gilt. Die getrennt ermittelte Arbeitslosenquote sank von 3,6 auf 3,5 Prozent, was als Vollbeschäftigung gilt.

Update Wirtschaft vom 05.08.2022

Stefan Wolff, HR, 5.8.2022 · 10:17 Uhr

"Unkaputtbar" - Zinsängste steigen

"Unkaputtbar, das war der erste Gedanke, als die Zahl von 528.000 neu geschaffenen Stellen über den Ticker lief. Da auch die Löhne kräftig zulegten, dürfte eine abermalige Leitzinsanhebung um 75 Basispunkte auf der Sitzung im September in Stein gemeißelt zu sein", kommentierte Analyst Dirk Chlench von der LBBW.

Auch andere Experten zeigten sich überrascht und erwarten nun weitere Zinserhöhungen durch die Fed, um die hohe Inflation von zuletzt etwas über 9,0 Prozent zu bekämpfen.

"Fed-Chef Powell hat auf der Pressekonferenz nach der Juli-Sitzung explizit auf die beiden bis zur September-Sitzung anstehenden Arbeitsmarktberichte verwiesen. Diese würden mit darüber entscheiden, ob die Fed weiter kräftig bremsen muss. Der erste dieser beiden Datenpunkte ist jetzt veröffentlicht - und zeigt, dass der Arbeitsmarkt weiter auf vollen Touren läuft.

Die von der Fed erhoffte Abkühlung, um den Inflationsdruck zu senken, ist ausgeblieben. Damit dürften Forderungen nach einem weiteren Zinsschritt von 75 Basispunkten im Entscheidungsgremium der Fed Rückwind erhalten", hieß es von den Commerzbank-Ökonomen Bernd Weidensteiner und Christoph Balz.

Euro sackt deutlich ab

Nach den US-Daten rutschte der Euro stärker über einen halben Cent ins Minus und wieder unter die Marke von 1,02 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs noch auf 1,0233 (Donnerstag: 1,0181) Dollar fest. Mit den nunmehr zu erwartenden weiteren Zinssteigerungen bleibt der Greenback attraktiv und damit weiter auf hohem Niveau. Der Goldpreis leidet ebenfalls unter dem wieder etwas stärkeren Dollar. Der Preis für eine Feinunze des gelben Edelmetalls fällt um 1,0 Prozent auf 1775 Dollar.

Volatiler Ölpreis

Am Ölmarkt sackte der Preis zunächst ab, hat sich danach aber wieder erholt und ist deutlich ins Plus gedreht. Der hohe Dollar belastet aber tendenziell die Notierungen, da Öl für Dollar-Ausländer teurer wird. Zudem lasteten zuletzt auch Konjunkturängste auf dem schwarzen Gold, besonders aus China. Diese schwächten sich heute nach den Jobdaten ab, was den Preis trieb. Zuletzt gab es etwas Entlastung für die Aktienmärkte, denn die Ölpreise waren gestern auf den tiefsten Stand seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs gefallen waren - was die Inflationsdynamik abschwächt.

"Fallende Energiepreise reduzieren Kosten und können sich dann positiv auf Unternehmensgewinne auswirken - solange fehlende Umsätze im Rahmen einer rezessiven Entwicklung diesen Effekt nicht überkompensieren", erklärt Robert Rethfeld, Marktexperte von Wellenreiter-Invest.

Allianz nach Zahlen unter Druck

Trotz einer Steigerung des operativen Ergebnisses im zweiten Quartal ging es für die Aktien der Allianz-Aktie bergab. Für Verstimmung sorgte laut Händlern unter anderem die Asset-Management-Sparte. Das für Dritte verwaltete Vermögen schrumpfte um fast 200 Milliarden auf 1,77 Billionen Euro. Im Verlauf erholte sich die Aktie aber wieder etwas.

Denn auf den zweiten Blick zeigte sich, dass insbesondere die Sachversicherung im Quartal sehr gut abgeschnitten hat. Trotzdem blieb der Vorstand beim Ausblick auf die zweite Jahreshälfte vorsichtig, strebt aber weiter das ober Ende der Erwartungen beim operativen Ergebnis von 14,4 Milliarden Euro an.

Deutsche-Post-Aktie haussiert

Dagegen rangierte die Deutsche-Post-Aktie mit einem Aufschlag von über vier Prozent an der DAX-Spitze. Die Bonner fahren dank florierender Geschäfte ihrer Fracht- und Express-Sparten weiter auf Wachstumskurs. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 23,4 Prozent auf 24 Milliarden Euro, unter dem Strich blieb ein Gewinn von rund 1,5 Milliarden Euro.

Bayer am DAX-Ende

Bayer-Aktien weiteten nach den schwach aufgenommenen Quartalszahlen vom Vortag die Verluste aus, sie büßen sieben Prozent ein und waren damit Schlusslicht im DAX. Insbesondere anhaltend hohe Kosten für Rechtsrisiken in den USA kommen bei den Anlegern weiterhin nicht gut an.

Uniper nach Billigung der Gas-Umlage gefragt

Die Billigung der Gas-Umlage durch das Kabinett half Uniper laut Händlern auf die Sprünge. Die Aktien von Deutschlands größtem Gas-Importeur, die seit Jahresbeginn gut 80 Prozent an Wert verloren haben, steigen im MDAX um bis zu 6,2 Prozent auf 7,26 Euro, konnten das Niveau aber am Ende nicht halten. Mit der Umlage will die Bundesregierung die Ersatz-Beschaffungskosten für ausgefallene russische Gas-Lieferungen auf alle Industrie- und Haushaltskunden umlegen.

EnBW hebt Strompreise deutlich an

Stromkunden der EnBW müssen ab Oktober im Schnitt fast ein Drittel mehr für Haushaltsstrom bezahlen. Wegen gestiegener Beschaffungskosten unter anderem infolge des Ukraine-Kriegs und der gedrosselten Gaslieferungen aus Russland würden die Preise im Grundversorgungstarif im Durchschnitt um 31,1 Prozent angehoben, kündigte das Unternehmen an.

Rheinmetall-Aktie schwer unter Druck

Der Rüstungskonzern und Autozulieferer Rheinmetall hat im ersten Halbjahr ein Rekordergebnis eingefahren. Bei einem Umsatzplus um 3,5 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro legte das operative Ergebnis um acht Prozent auf 206 Millionen Euro zu. Netto schnellte das Ergebnis von 31 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 134 Millionen Euro empor.

Die Geschäfte mit der Autoindustrie liefen zuletzt noch gut, doch hier trüben sich die Aussichten mittlerweile ein. Daher hatte Unternehmenschef Armin Papperger Ende Juli auch bei der Umsatzprognose Abstriche gemacht. Zudem rechnet der Vorstand laut einer Präsentation vom Freitag mit einer Verschiebung von Rüstungsaufträgen in das kommende Jahr. Das kam bei den Anlegern an der Börse nicht gut an, die Rheinmetall-Aktie verlor rund 12 Prozent und war damit Schlusslicht im MDAX.

RTL muss Prognose eindampfen

Der europäische Fernsehkonzern RTL hat wegen der Werbeflaute in Folge der Wirtschaftsabkühlung und des Ukraine-Kriegs seinen Ausblick gekappt. Der MDAX-Konzern rechnet nun mit einem bereinigten Betriebsergebnis (Ebita) von 1,05 bis 1,15 Milliarden Euro. Bisher hatte RTL ein Ergebnis von 1,15 Milliarden Euro prognostiziert. Beim Umsatz peilt das Unternehmen nun eine Spanne zwischen 7,3 bis 7,5 Milliarden Euro (zuvor: 7,4 Milliarden Euro) an.

Carl Zeiss Meditec verdient operativ weniger

Der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2021/22 bei elf Prozent höheren Umsätzen leichte Gewinneinbußen verzeichnet. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag mit 275,9 Millionen Euro unter dem Vorjahresniveau von 282,8 Millionen Euro. Der Vergleichszeitraum sei "noch stark von den während der Covid-19-Pandemie niedrigeren operativen Kosten" geprägt gewesen, erklärte das Unternehmen.

Aurubis verdient prächtig

Der Metallproduzent Aurubis hat angesichts einer starken Kupfernachfrage die gestiegenen Energiekosten wettgemacht und seine Ertragsprognose bekräftigt. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) sprang im dritten Geschäftsquartal von April bis Juni um rund ein Viertel auf 103 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten schwoll das Ergebnis sogar um zwei Drittel auf 448 Millionen an. Aktuell würden alle Standorte ausreichend mit Energie versorgt und könnten ohne jede Einschränkung produzieren.

Lufthansa wendet weitere Streiks bei Bodenpersonal ab

Passagiere der Lufthansa müssen keine weiteren Streiks des Bodenpersonals mehr fürchten. Das Unternehmen und die Gewerkschaft Verdi haben sich gestern Abend auf einen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 18 Monaten geeinigt. Die Vereinbarung sieht für die rund 20.000 Beschäftigten Gehaltssteigerungen von mindestens 325 Euro plus einer weiteren Erhöhung um 2,5 Prozent vor. Das Lufthansa-Papier knüpfte an die Rally vom Vortag an und war erneut bester MDAX-Wert.

Tesla plant neue Fabriken

Der weltgrößte Elektroautobauer Tesla plant den Bau weiterer Fabriken. Er werde möglicherweise noch in diesem Jahr einen neuen Standort ankündigen, sagte Konzernchef Elon Musk auf der Aktionärsversammlung des US-Unternehmens. Perspektivisch gehe er von weltweit zehn bis zwölf sogenannten Gigafactories aus. Bis Ende 2022 will der Autobauer auf eine jährliche Produktionsrate von zwei Millionen Fahrzeugen kommen. Damit rückt Tesla in Schlagdistanz zum Absatz von Premiumherstellern wie BMW und Mercedes-Benz heran.

Beyond Meat: vegane Burger nicht mehr so stark gefragt

Der Lebensmittel-Produzent Beyond Meat leidet unter dem Ende des Booms für Fleischersatzprodukte in den USA. Der Hersteller vegetarischer Burger kündigte nach US-Börsenschluss den Abbau von vier Prozent aller Stellen weltweit an. Für das Gesamtjahr erwartet der US-Konzern zudem nun einen Umsatz zwischen 470 und 520 Millionen Dollar statt 560 bis 620 Millionen. Der Nettoverlust im zweiten Quartal vergrößerte sich auf 97,1 Millionen Dollar nach 19,7 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Amgen überrascht mit starken Produktverkäufen

Der US-Biotechkonzern Amgen hat dank starker Medikamentenverkäufe im zweiten Quartal mehr verdient und umgesetzt als Experten erwartet hatten. Der Umsatz stieg um ein Prozent auf 6,6 Milliarden US-Dollar, wie Amgen gestern nach US-Börsenschluss mitteilte. Unter dem Strich sprang der Gewinn von 464 Millionen Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum auf 1,3 Milliarden Dollar.

Warner Bros.Discovery meldet Verlust von 3,4 Milliarden Dollar

Das durch eine Fusion neu entstandene Medienunternehmen Warner Bros. Discovery hat im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 3,4 Milliarden Dollar verbucht. Grund sei die Neuordnung sich überschneidender Geschäftsbereiche, teilte der Konzern mit. Der Verlust setze sich zusammen aus etwa zwei Milliarden Dollar an Abschreibungen, etwa eine Milliarde US-Dollar an Restrukturierungs- und anderen Kosten sowie 983 Millionen Dollar an Transaktions- und Integrationskosten.

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