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Emma Raducanu: Die Queen (18), der die Queen (95) gratulierte

Teenager aus Großbritannien schrieb mit Triumph bei den US Open gleich mehrfach Tennisgeschichte
Tennis

Teenager aus Großbritannien schrieb mit Triumph bei den US Open gleich mehrfach Tennisgeschichte

Kopf des Tages

Philip Bauer

12. September 2021, 16:34

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Emma Raducanu verlor bei den US Open im Tennis keinen einzigen Satz.

Foto: APA/AP/Amendola

Die 18-jährige Emma Raducanu unterscheidet sich maßgeblich von anderen Teenagern. "Ich habe noch nicht auf mein Handy geschaut", sagte die Britin am Sonntag in New York. Was ist da passiert? Akku leer, Digital Detox, PIN-Code vergessen? Man soll nicht immer gleich das Schlimmste befürchten. Raducanu war einfach nur anderweitig beschäftigt, die Tennisspielerin musste bei den US Open die Siegestrophäe und einen Scheck über schlappe 2,5 Millionen US-Dollar entgegennehmen.

Insidern ist Raducanu spätestens seit Juli ein Begriff. In Wimbledon zog die Britin als Nummer 338 der Weltrangliste sensationell ins Achtelfinale ein und schied erst nach gesundheitlichen Problemen aus. Zwei Monate später ist sie bereits ganz oben angekommen. Im Endspiel von Flushing Meadows setzte sich Raducanu gegen die zwei Monate ältere Kanadierin Leylah Fernandez mit 6:4, 6:3 durch – und blieb nebenbei im gesamten Turnier ohne Satzverlust.

US Open Tennis Championships

Damit schrieb Raducanu gleich mehrfach Geschichte. Sie ist nicht nur die erste Qualifikantin seit Einführung des Profitennis 1968, die ein Majorturnier gewann, sondern auch die erste britische Grand-Slam-Siegerin seit 44 Jahren; damals gewann Virginia Wade in Wimbledon. Dementsprechend amused gibt man sich im Buckingham Palace. "Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Erfolg. Das ist eine bemerkenswerte Leistung in einem so jungen Alter und zeugt von Ihrer harten Arbeit", schrieb Königin Elisabeth II. (95) an die Sensationssiegerin. Von Queen zur Queen von Queens sozusagen.

Motorsport und Stepptanz

Raducanus Triumph ist auch eine multikulturelle Erfolgsstory. Ihre Mutter ist Chinesin, der Vater Rumäne, geboren wurde sie in Toronto, ehe die Familie von Kanada nach Großbritannien zog. Ebendort nahm das Energiebündel im Alter von fünf Jahren erstmals ein Racket in die Hand. Verlieren soll niemals ihr Ding gewesen sein. Ein ausgeprägtes Faible wird Raducanu hingegen für Mathematik, Motorsport und Stepptanz nachgesagt.

Mit der kurzen Zeit als Underdog ist es nun vorbei. Raducanu ist in einem Rekordtempo von der Herausforderin zur Gejagten aufgestiegen. In den kommenden Monaten werden alle hinter ihr her sein. Die Fans, die Gegnerinnen – und vor allem die englische Presse.

Wenn der Shootingstar diese Aufmerksamkeit gut verkraftet, sollte einer großen Zukunft nichts im Wege stehen. Bisher überzeugt sie jedenfalls mit Nonchalance: "Derzeit ist mir alles egal, ich genieße einfach das Leben." (Philip Bauer, 12.9.2021)

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