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Bronze-Gewinner Shamil Borchasvhili: ´Zu Hause geht es ab!´

"Österreich hat mir sehr vieles gegeben", sagt er nach Judo-Bronze.

"Österreich hat mir sehr vieles gegeben", sagt Shamil Borchashvili. Der gebürtige Tschetschene lebt zwar schon lange in Österreich, ist aber erst seit rund vier Jahren österreichischer Staatsbürger.

Bei den Olympischen Spielen in Tokio hat der 26-Jährige Österreich sehr, sehr viel zurückgegeben, im Judo die Bronze-Medaille gewonnen. Alle Infos >>>

"Vor 2018 habe ich Judo hobbymäßig betrieben", verrät der Oberösterreicher. Im Interview spricht Borchashvili zudem über seinen Werdegang, seine große Familie und seine besondere Beziehung zu Sabrina Filzmoser.

Frage: Sie waren nach dem Bronzekampf sehr emotional. Versuchen Sie bitte, Ihre Gefühle zu beschreiben.

Shamil Borchashvili: Es ist ein unglaubliches Gefühl, es war ein toller Tag. Ich kann es noch immer nicht glauben, selbst wenn ich die Medaille kriege. Ich hatte keine großen Resultate, ich habe mich gerade noch qualifiziert. Und heute die Bronzemedaille, das ist unfassbar. Meine Cheftrainerin Yvonne Bönisch hat mich so gut eingestellt. Sie hat gesagt, genieß den Tag, versuch nicht viel zu denken. Setz das, was du gut kannst, um, das ist mir heute richtig gut gelungen. Ich bin so dankbar. Und so glücklich für Österreich, dass ich die Medaille geholt habe. Wenn man an sich glaubt, wenn man es träumen kann, dann kann man es auch machen.

Frage: Es waren lange Kämpfe gegen Weltklassegegner. Wie haben Sie die vielen Golden-Score-Entscheidungen körperlich durchgehalten?

Borchashvili: Ich war heute mental so stark. Ich kann es gerade nicht beschreiben, wie der Tag so gelaufen ist. Ich hatte schon im ersten Kampf so einen starken Gegner, der jetzt Dritter bei den Weltmeisterschaften geworden ist. Im zweiten Kampf hatte ich den Topfavoriten. Ich hatte gegen jeden einzelnen Gegner ein gutes Konzept.

(Interview wird unter dem Video fortgesetzt)

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Frage: Sie sagten schon öfters, Sie brauchen starke Gegner, weil sie sonst leicht überheblich werden. War die schwierige Auslosung also gut?

Borchashvili: Die war heute ganz egal. Es sind Olympische Spiele, die finden alle vier Jahre statt, dieses Mal im fünften Jahr. Meiner Meinung nach spielt es keine Rolle. Man muss mental so stark sein und die Nerven haben. Und da braucht man halt das richtige Team dazu, und das habe ich.

Frage: Yvonne Bönisch bezeichnet Sie als jungen Wilden. Ab wann haben Sie begonnen, Judo profimäßig auszuüben?

Borchashvili: Vor 2018 habe ich Judo hobbymäßig betrieben. Nach meiner Matura, ich habe die HTL abgeschlossen, musste ich in die Grundausbildung. Da habe ich mir zu Herzen gelegt, dass ich das profimäßig mache. Ich habe im Kraftbereich, im Kondibereich die richtigen Leute gesucht. Ich habe einen jüngeren Bruder, der Typ hat mich von Tag zu Tag gepusht.

Frage: Haben Sie vor drei Jahren geglaubt, dass Sie in Tokio eine Medaille holen?

Borchashvili: Eine Medaille ehrlich gesagt, nein. Aber ich habe schon fest daran geglaubt, dass ich hier teilnehme.

"Bei uns zu Hause geht es ab, wir haben viel Spaß"

Frage: Sie sind ein leuchtendes Beispiel für gelebte Integration. Wie wichtig sind Ihnen ihre Wurzeln in Tschetschenien?

Borchashvili: Ich war zehn Jahre alt, als ich nach Österreich kam. Ich bin sehr dankbar, dass ich für Österreich an den Start gehen konnte. Österreich hat mir sehr vieles gegeben. Ich konnte eine Topausbildung abschließen. Ich konnte an den Olympischen Spielen teilnehmen, ich konnte für Österreich eine Medaille machen. Ich hoffe, 2024 sind noch mehr Judokas aus Österreich dabei. Wir werden das Ding rocken.

Frage: Wer freut sich jetzt daheim mit?

Borchashvili: Ich rufe jetzt meine Mama an und meinen Papa, ich habe fünf Schwestern, wir sind acht Kinder. Bei uns zu Hause geht es ab, wir haben viel Spaß. Sie pushen mich extrem und sind sicher überglücklich heute. Ich glaube, ich werde mit allen feiern. Ich möchte mich bei meinen Trainingspartnern bedanken, ich bin sehr dankbar für jeden einzelnen. Die sehen mich heute leider nur von zu Hause. Erstens ist es sauweit weg und Corona.

Frage: Sabrina Filzmoser hat sich als Abschiedsgeschenk eine Medaille vom Team gewünscht.

Borchashvili: Sie hat zu mir gesagt, am liebsten von dir Shamil, deswegen hab' ich es heute gemacht. Ich bin mit Sabsi aufgewachsen. Ich hab' keine Worte für Sabsi, sie ist meine ältere Schwester. Sie hat uns von zu Hause abgeholt, ins Training gebracht, finanziell unterstützt. Ich bin ihr sehr dankbar. Das ist eine, die man nicht so leicht findet. Sie hat mich mental gepusht, hat mir immer gute Tipps und Ratschläge gegeben. Auch wenn es Tage gab, wo ich ein Idiot war, wenn ich ab und zu keine Motivation hatte.

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